Ortsfeuerwehr Göttingen Modell

Ortsfeuerwehr Göttingen Lageplan

Ortsfeuerwehr Göttingen Erdgeschoss

Ortsfeuerwehr Göttingen Ansicht Ost

Ortsfeuerwehr Göttingen Ansicht Süd

Ortsfeuerwehr Göttingen Schnitte

Ortsfeuerwehr Göttingen Fassade







Ortsfeuerwehr Geismar

Kategorie:
Wettbewerb mit Präqualifikation

Ort:
Geismar (Göttingen)

Jahr:
2026


Leistungen:
Wettbewerb


Bauherrschaft:
Stadt Göttingen


Kooperation:
impuls°Landschaftsarchitektur, Jena
HKL Ingenieurgesellschaft, Erfurt
Ingenieurbüro Dr. Krämer, Weimar


Das neue Gebäude der Ortsfeuerwehr Geismar sucht eine dialogische Annährung an den gewachsenen Kontext und bildet zusammen mit dem bestehenden Gemeindehaus ein ortsbildprägendes Ensemble. Dem historischen Fachwerkhaus wird ein hölzernes Langhaus zur Seite gestellt, das gezielt historische Zweckbauten der Region referenziert. Durch eine zeitgenössische Übersetzung entsteht eine eigenständige und identitätsstiftende Gestalt, die dem neuen Feuerwehrgebäude zu einem markanten architektonischen Ausdruck und einer angemessenen Präsenz im Stadtraum verhilft.

Göttingen profitiert von der Kaltluftzufuhr aus den westlich und östlich angrenzenden Naturräumen. Der Großteil von Geismar weist eine günstige bioklimatische Situation auf, die vor allem durch die überwiegend winddurchlässige Bebauung und den hohen Grünanteil begünstigt wird. In dieser großmaßstäblichen Betrachtung tragen eine Ost-West-Ausrichtung des neuen Gebäudes sowie der größtmögliche Erhalt und die Ergänzung der vorhandenen Vegetation zu einem positiven Beitrag für das Stadtklima bei. Die gewachsenen baulichen Strukturen der direkten Umgebung lassen keine städtebauliche Ordnung erkennen. Die Gebäude entlang der Hauptstraße bilden eine Ausnahme, indem sie sich – in der Regel giebelständig – einer Perlenkette gleich durch den Ortskern ziehen. Um als Teil dieser Ordnung gelesen zu werden, tritt auch das neue Feuerwehrgebäude giebelständig mit einer Firsthöhe von etwa 11,6m an die Hauptstraße. Der von einem Satteldach bekrönte, etwa 35,5 m lange und 20 m breite Baukörper verschlankt sich ab etwa einem Drittel seiner Gesamthöhe auf circa 15,5 m. Durch diese Staffelung des Baukörpers gelingt eine behutsame Abstimmung auf die Körnung der umgebenden Bebauungen. Im Erdgeschoss befinden sich die für den Alarmfall notwendigen Räume.

Die äußere Gestalt des Feuerwehrgebäudes nimmt Bezug auf die Fachwerkkonstruktion des benachbarten Gemeindehauses, aus dessen sichtbarer Holzkonstruktion sich eine differenzierte Gliederung der Fassaden ableitet. Hervortretende hölzerne Lisenen und Gesimse ar- tikulieren auf den Langseiten ein Spiel aus unterschiedlich dimensionierten und mit stehenden Brettern verschalten Feldern. Die stirnseitigen Vor- und Rückseiten werden situativ ausformuliert und markieren die Enden des längs gerichteten Gebäudes. Den ökonomischen wie ökologischen Anforderungen unserer Zeit wird mit eleganter Zweckmäßigkeit und materialgerechter Robustheit begegnet. Baustoffe werden entsprechend ihrer spezifischen Eigenschaften gewinnbringend und sinnfällig eingesetzt. Die Gründung sowie die Innenwände und die Decke des Erdgeschosses werden in Stahlbeton erstellt. Die Fahrzeughalle wird mittels vorfabrizierter und vor Ort vergossener Pi-Platten überspannt. Alle Außenwände, die Innenwände des Obergeschosses und die Dächer werden mit Holzwerkstoffen konstruiert und verkleidet. Das Obergeschoss wird mittels Holzfachwerk aus Nagelplattenbindern überspannt.

Vor dem Hintergrund der beengten räumlichen Situation des Bauplatzes, die das Umpflanzen und Ersetzen einzelner Bäume erforderlich macht, wird großer Wert auf eine klimagerechte Gestaltung der Außenanlagen und eine sorgsame dendrologische Baubegleitung gelegt. Bei der Setzung des Neubaus und der Organisation der Freiraumfunktionen findet der Baumbestand besondere Berücksichtigung. Wo immer möglich, werden Bodenflächen versickerungsfähig ausgebildet. Die Implementierung von Obstgehölzen und einzelnen Blühwiesen begünstigt die Biodiversität des Ortes. Umzupflanzende Bäume werden unter anderem in die Freianlagen um das Gemeindehaus integriert. Maßnahmen wie Wurzel- und Kronenschnitte sowie weitere Schutzvorkehrungen sichern insbesondere den Erhalt des ortsbildprägenden Baumbestands an der südöstlichen Grundstücksgrenze. Zusammen mit den bestehenden Bäumen im Kreuzungsbereich Kerllsgasse/Hauptstraße sowie weiteren Um- und Neuanpflanzungen säumen umlaufende Strauchbepflanzungen die Freiräume und bilden einen der ortstypischen „grünen Trittsteine“, wie sie entlang der Hauptstraße von Geismar häufig vorkommen. Die Ausfahrt der Feuerwehr ist unter Beachtung der Schleppkurven so angelegt, dass möglichst viele bestehende Bäume erhalten bleiben.